
Physiotherapie
in der Pulmologie
Erkrankungen der Lunge und Atemwege – wie COPD, Asthma, Lungenfibrose oder Lungenembolie – können Atmung, Belastbarkeit und Lebensqualität stark beeinträchtigen. Moderne Physiotherapie hat das Ziel, die Atemfunktion zu verbessern, die Selbstständigkeit zu fördern und Patient*innen zu befähigen, aktiv mit ihrer Erkrankung umzugehen.
Ein zentraler Bestandteil ist das Krankheitsverständnis.
Wenn Sie verstehen, wie Ihre Erkrankung entsteht und welche Faktoren sie beeinflusst, können Sie gezielter handeln.
Internationale Leitlinien (NICE, APTA) betonen, dass Aufklärung und Selbstmanagement bei chronischen Lungenerkrankungen entscheidend sind, um Verschlechterungen (Exazerbationen) zu vermeiden und somit langfristig möglichst uneingeschränkt zu bleiben.
Dazu gehört auch das richtige Anwenden von Inhalationsmedikamenten (Dosieraerosole, Pulverinhalatoren etc.) und Inhalationshilfen, in dem Physiotherapeut*innen schulen und unterstützen können.


Sekret-
management
Ein wichtiger Schwerpunkt ist das Sekretmanagement. Zäher Schleim kann die Atmung erschweren und das Infektionsrisiko erhöhen. Mit speziellen Atemtechniken, Lagerungen und Hilfsmitteln (wie PEP-Systemen oder Verneblern) kann das Abhusten erleichtert werden. Studien zeigen, dass diese Maßnahmen die Lungenfunktion verbessern und die Häufigkeit von Infekten senken können (Cochrane, 2021).
Atemmuskel-
training
Ebenso wichtig ist das Atemmuskeltraining. Durch gezielte Kräftigung der Atemmuskulatur (z. B. inspiratorisches Muskeltraining) wird die Einatmung effektiver, die Atemarbeit sinkt und die Ausdauer steigt. Leitlinien empfehlen, diese Übungen regelmäßig in die Therapie zu integrieren, da sie nachweislich Atemnot reduzieren und Leistungsfähigkeit erhöhen.
entblähen
der lunge
Bei Erkrankungen wie COPD kommt außerdem das „Entblähen“ der Lunge zum Einsatz. Techniken wie die dosierte Lippenbremse oder bewusstes Ausatmen helfen, Luft besser abzugeben und das Gefühl von Atemnot zu verringern.
bewegungs-
training
Neben der Atmung steht auch Bewegungstraining im Fokus. Regelmäßige, angepasste körperliche Aktivität verbessert nicht nur die Lungenfunktion, sondern stärkt Herz, Kreislauf und Psyche – ein zentrales Element der pneumologischen Rehabilitation (NICE, APTA).

Evidenzbasierte Physiotherapie in der Pneumologie bedeutet:
aufklären, aktiv bleiben, regelmäßig üben und Vertrauen in die eigene Atmung gewinnen – für mehr Lebensqualität und Selbstbestimmung im Alltag.
Literaturverzeichnis (Auswahl)
American Physical Therapy Association (APTA). (2020). Clinical practice guideline: Physical therapist management of patients with chronic obstructive pulmonary disease. Physical Therapy, 100(11), 1863–1897.
Cochrane Airways Group. (2021). Airway clearance techniques for chronic obstructive pulmonary disease (COPD). Cochrane Database of Systematic Reviews, (3), CD008328.
National Institute for Health and Care Excellence (NICE). (2019). Chronic obstructive pulmonary disease in over 16s: Diagnosis and management (NG115). London: NICE.
Holland, A. E., Hill, C. J., Jones, A. Y., & McDonald, C. F. (2012). Breathing exercises for chronic obstructive pulmonary disease. Cochrane Database of Systematic Reviews, (10), CD008250.